Film/VideoFlucht über die Elbe

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Flucht über die Elbe
Dokumentarfilm (Fertigstellung Ende 2010)

Konzept, Kamera, Schnitt


1. Synopsis

Verfolgung, Flucht, Exil. Die Nachkriegszeit in der tschechoslowakischen Republik ist geprägt von scharfen politischen und ethnischen Gegensätzen. Viele tschechische Patrioten, die während der Protektoratszeit im Exil gelebt hatten, werden nach dem kommunistischen Februarputsch 1948 erneut verfolgt. Deutsch-böhmische Antifaschisten, die gegen den Anschluss des Sudetenlands an das Deutsche Reich gekämpft hatten, mussten nach der Befreiung dennoch ihre Heimat verlassen.

Im April 1948 kreuzen sich die Wege des ehemaligen tschechoslowakischen Finanz- und Agrarministers Ladislav Feierabend und des aus einer tschechisch-deutschen Familie stammenden Elbschiffers Josef Novák. Feierabend, während der Besatzungszeit Mitglied der Exilregierung in London, droht die Inhaftierung und ein politischer Schauprozess. Novák verhilft Feierabend zur Flucht und schmuggelt ihn und seine Familie auf seinem Elbkahn nach Hamburg. Beide Familien emigrieren später in die USA. 44 Jahre danach kehrt Josef Novák mit seiner Frau in die alte Heimat zurück. Štěpánka Novák stirbt noch im gleichen Jahr, Josef 1999.

Ausgehend von der Porträtierung sehr unterschiedlicher Personen und ihrer Lebensläufe werden im Film Orte beschrieben und Pfade verfolgt, bis sich die Wege der Protagonisten auf der Elbe kreuzen. Neben der Behandlung dieses wichtigen Kapitels tschechoslowakischer und deutscher Nachkriegsgeschichte in einer sehr persönlichen Form geht es auch um eine familiäre Spurensuche: Im Leben des damaligen Fluchthelfers Josef Novák spiegelt sich das schwierige, manchmal aber auch gelungene Zusammenleben von Deutschen und Tschechen im Sudetenland vor 1945 wider.


2. Thema

Der Film behandelt die Flucht des ehemaligen tschechoslowakischen Finanz- und Agrarministers Ladislav Feierabend nach dem kommunistischen Putsch im Februar 1948. Vor dem Krieg war Feierabend führendes Mitglied der tschechoslowakischen Agrarpartei, einer bürgerlich-bäuerlichen Partei der rechten Mitte. Nach dem Einmarsch der Deutschen in die "Rest-Tschechoslowakei" 1938 war er für kurze Zeit Minister in der Protektoratsregierung, floh jedoch Anfang 1940 nach London, wo er später Mitglied der Exil-Regierung wurde. Nach dem Krieg gehörte Feierabend der national-sozialistischen tschechoslowakischen Partei an, einer demokratischen sozialistischen Partei in der Tradition Tomáš Masaryks. 1948, nach der Machtübernahme der Kommunisten, musste Feierabend ein zweites Mal aus der Tschechoslowakei fliehen. Er stieg mit seiner Frau Jana, Tochter Hanka und Sohn Ivo stiegen in Děčín an der Elbe auf den Elbkahn von Josef Novák. Zwischen der Außenwand des Kahns und einer Innenwand der Kabine versteckt, erreichten sie am 11. April Hamburg und damit die Freiheit. Die Einzelheiten der Flucht hat Ladislav Feierabend in seinen Memoiren "Prag – London. Vice – Versa" beschrieben.

Die Dokumentation verbindet das politische Geschehen und die Flucht Feierabends mit der Familiengeschichte seines Fluchthelfers Josef Novák. Nováks Geschichte ist aber nicht nur eine Geschichte von Flucht und einem neuen Leben in den USA. Die Familiengeschichte der Nováks belegt auch, dass das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen im Sudetenland vor 1945 möglich war.
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